„Dieses Land, Leute, Kultur und die Stadt Edinburgh sind atemberaubend!“ Das war das einhellige Fazit der Teilnehmerinnen nach der viertägigen Studienfahrt.

Der Einstieg in die schottische Polizei erfolgte am Donnerstagvormittag mit dem Besuch des Scottish Police College, Tulliallan Castle. Als Ehrengäste nahmen wir an den Annual Awards des Scottish Women's Development Forum teil. Im Rahmen der jährlichen Preisverleihung werden Einzelpersonen und Gruppen für ihre Tätigkeiten und Verdienste geehrt.

Beim anschließenden Lunch konnten wir mit der Vorsitzenden des SWDF, Superintendent Suzie Mertes sowie mit den meist weiblichen Preisträgerinnen und wenigen Preisträgern ins Gespräch kommen. Danach erläuterte uns CI Ann Bell, die zusammen mit ihrem Team zum „Team of the Year – Positive Action Recruitment Team“ geehrt wurde, das preisgekrönte und interkulturelle Projekts zur Nachwuchswerbung. Eindrucksvoll zeigt sie uns Kolleginnen und Kollegen aus aller Länder, unterschiedlicher Herkunft, die von der „Scottish Police“ angeworben wurden und ihre Ausbildung absolviert haben. Wenige Tage vor unserem Besuch, war Ann Bell erst von einem Besuch in Deutschland zurückgekehrt, bei dem sie sich über die hiesigen Einstellungsvoraussetzungen informierte. Schnell stellten wir in einer regen Diskussion fest, dass die Schottischen Begebenheiten für Deutschland aktuell nicht umsetzbar wären. Bei schönstem schottischem Wetter (wirklich Sonnenschein) führte uns Shaun McKillop von der Abteilung für Internationales durch das Castle und über das Gelände des Scottish Police College. Auch wenn das ehrwürdige Gebäude und der malerische Garten hübsch anzusehen waren, konnten wir eindeutige Parallelen zu unseren Polizeischulen - Kantine, Bistro, Unterkünfte und Sporthalle erkennen.

In der Sporthalle konnten wir den Polizeifreiwilligen beim Training zusehen. Zunächst wunderten wir uns noch, da das Training nach Männern und Frauen getrennt in der Halle durchgeführt wurde. Der Ausbildungsleiter konnte uns mit seiner Erläuterung jedoch überzeugen: Thema war das Durchsuchen von Personen…. Bevor uns der überaus freundliche Shaun McKillop zurück zum Motel One fuhr, machten wir noch einen Abstecher in den Shop im College und jede von uns nahm, neben jeder Menge Eindrücke, ein paar Souvenirs mit. Mit der Fahrt zum Motel endete der erste Tag bei der Schottischen Polizei.

Der Freitag führte uns zur Fettes Police Station, einer der größten Polizeistationen in Edinburgh. Begrüßt wurden wir von Superintendent Lesley Clark und ihren Kolleginnen. Wie Lesley Clark zur Historie der Polizei Schottlands berichtete, wurde erst 2013 aus über 20 verschiedenen Behörden mit unterschiedlichen Strukturen eine einheitliche und landesweit zuständige „Police Scottland“ gegründet.

Unterstützt von Chief Inspector Helen Harrison, zuständige Leiterin für den Südosten Edinburghs, erhielten wir einen Einblick in den Arbeitsalltag. Zum Zuständigkeitsbereich gehören vor allem das Stadtzentrum Edinburghs mit dem Schottischen Parlament, dem Edinburgh Castle und dem Holyrood Palace. Das bedeutet die polizeiliche Absicherung der königlichen Aufenthalte der Queen im Holyrood Palace und zahlreiche Einsätze bei sportlichen und kulturellen Veranstaltungen. Edinburgh ist DIE Festival-Stadt weltweit und somit „schläft“ diese Stadt nie!

Der restliche Vormittag galt der Besichtigung der Station, wobei sich die Büros nur unwesentlich von den unsrigen unterscheiden.

Anders verhält es sich bei der K9-Unit, der Hundestaffel, die zentralisiert organisiert ist. Diesen Besuch genoss insbesondere unser Neumitglied Maike Petermann, die selbst bei der Polizeihundestaffel Karlsruhe als Hundeführerin tätig ist.

Noch ein kurzer Besuch bei der Verkehrsabteilung und, gestärkt mit ein paar Sandwiches zum Lunch, wurden wir von einem gutgelaunten Shaun McKillop nach Bilston Glen, zur Command und Control Operation, einer von insgesamt drei Einsatzzentralen für ganz Schottland, gefahren.

Dort wurden wir von Superintendent Linda Jones und Mrs. Amanda MacDonald begrüßt. Zusammen mit ein paar Kolleginnen standen sie für unsere Fragen zur Verfügung. Aber auch wir waren gefragt und es entstand ein spannender und reger Austausch: wie sind unsere Erfahrungen in Deutschland, wie und was sind die Probleme - Stimmungen mit den männlichen Kollegen oder ob man als Frau akzeptiert wird? Das Fazit überraschte uns nicht, auch in Schottland sind die Problembereiche identisch.

Im Anschluss konnten wir einen Blick in die heiligen Hallen der Einsatzzentrale von Edinburgh und ganz Schottland werfen. Schottland verfügt über zwei zentrale Telefonnummer, die Notfallnummer 999 und die 101 für alle anderen Anfragen. In jeder Schicht der Einsatzzentrale in Bliston Glen sind ca. 80 Kolleginnen und Kollegen im Einsatz, um telefonisch zur Verfügung zu stehen. Nach Vorfilterung gelangen die Anrufe in die jeweiligen Gebiete, um dort an die zuständigen Dienststellen delegiert zu werden. Auskunftsanrufe (die Dienststellen können nicht angerufen werden) bleiben in einem gesonderten Bereich mit speziell dafür geschultem Personal. In Allem ein beeindruckendes Zusammenspiel zwischen Mensch und Technik.

Auch dort verging die Zeit im Flug und der Abschied nahte. Den Abschluss des Tages verbrachten wir mit einer Abend-Stadtführung, einer Untergrund-Tour „Geister und Gespenster“, die eine andere Sichtweise auf bzw. unter Edinburgh gestattete.

Der Samstag stand bei den ENP-Damen ganz im Zeichen des Shoppings und Sightseeing. Neben der Royal Mile, Edinburgh Castle und Palace of Holyroodhouse folgte ein gemeinsames Abendessen in einem der unzähligen gemütlichen Pubs.

Am Sonntagmorgen mussten wir uns bereits von zwei Teilnehmerinnen verabschieden, die Spätfliegerinnen hatten aber noch die Chance auf einen Kurztrip nach St. Andrews an die Küste. Eine tolle Studienfahrt endete mit schottischem Dauerregen, der uns in die Flieger nach Deutschland verabschiedete. Ein Wiedersehen nicht ausgeschlossen!

Edinburgh

Edinburgh

Scottish Women Develoopment Forum - Awards 2017

Scottish Women Develoopment Forum - Awards 2017

Fettes Police Station

Fettes Police Station