Bericht Anne Dicks:

Mein Name ist Anne Dicks, ich bin 36 Jahre alt und Polizeihauptkommissarin aus Mönchengladbach, NRW.

Im Jahr 2011 hat unsere Gleichstellungsbeauftragte mich auf mein erstes ENP- Seminar “Frauen. Macht. Karriere.“ aufmerksam gemacht. Seitdem bin ich Mitglied und verfolge zumindest passiv alle Aktivitäten des ENP.

Eine Folge dieses Seminars war für mich im Rahmen meiner Karriere- und Zukunftsplanung meine erste Bewerbung für eine Auslandsmission der Polizei.

Im März 2013 bin ich dann - nach viele Monaten Vorbereitung - nach Afghanistan ausgereist. Für ein Jahr habe ich dort in Kabul gelebt und gearbeitet. Meine Aufgabe war das Mentoren des Gender Departments der “Afghan National Police Academy” (ANPA). Hauptsächlich ging es um die Begleitung von einfachen bürokratischen Abläufen (z.B. Anfordern von Büromaterial, Trainingsanforderungen), Unterstützung des Trainings und der Ausbildung (hauptsächlich von Polizistinnen), aber auch um die Entwicklung von Kampagnen, um Frauen für den Polizeiberuf zu interessieren. In diesem Zusammenhang haben wir den ersten afghanischen “Girlsday” geplant und vorbereitet. Leider konnte dieser Tag erst nach meiner Ausreise stattfinden. Weiterhin habe ich, gemeinsam mit dem Leiter des Gender Departments, die Frauen nach Beendigung ihrer Ausbildung begleitet, um zu beobachten, welche Art von Positionen sie in den Polizeistationen bekleidet haben. Oftmals wurden ausgebildete Polizistinnen nur als Putz- und Kochkraft bzw. als Sekretärin eingestellt und beschäftigt.

Außerdem gehörten der Kindergarten der ANPA sowie das Frauenhaus (Wohn- und Trainingsbereich der weiblichen Auszubildenden) zu meinem Arbeitsbereich. Hier habe ich ebenfalls Unterstützung bei täglichen Abläufen sowie Behördengängen geleistet. Den Kindergarten konnten wir in dieser Zeit mit einem eigenen, komplett ausgestatteten Büro sowie einem Babyschlafzimmer ausstatten. Das Frauenhaus erhielt ein Waschzimmer mit elektrischer Waschmaschine sowie einen Fitnessraum, da den Frauen in Afghanistan verboten war, mit den Männern in einem Fitnessraum zu trainieren.

Im April 2015, ein Jahr nach meiner Rückkehr aus Afghanistan, habe ich mich erneut für eine Auslandsmission beworben. Ich hatte das Glück, dass genau zu diesem Zeitpunkt eine Anfrage der UN aus New York für ein “specialized SGBV (sexual and gender based violence) Team” vorlag. Für dieses Team, welches im Süd Sudan eingesetzt werden sollte, wurde meine Bewerbung angenommen. Nach mehreren Vorbereitungstrainings (u.a. Train the Trainer, Briefings in Berlin und Oslo) sind wir dann zu fünft als deutsches SGBV- Team im Oktober 2015 nach Juba/Süd Sudan ausgereist. Nun sind wir seit einem halben Jahr in Juba und unsere Arbeit ist in vollem Gange. Unser Team wurde vor Ort durch eine kenianische Kollegin komplettiert und um ein möglichst umfangreiches Feld abdecken zu können, sind wir in drei Aufgabenbereiche aufgeteilt. Der erst Bereich beschäftigt sich mit dem politischen/ strategischen Teil unserer Aufgaben, hier geht es um die Teilnahme an Meetings auf politischer und strategischer Ebene sowie das Verfassen von Wochen- und Monatsberichten und die Entwicklung einer SGBV-Strategie für den Süd Sudan. Der zweite Bereich beschäftigt sich mit dem physikalischen/ operativen und präventiven Teil unsere Themas, was die Teilnahme an Meetings und Projekten auf diesem Level sowie die Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern beinhaltet. Der dritte Bereich (in welchem ich arbeite) kümmert sich um die Entwicklung, Vorbereitung und Durchführung von Trainings, die sich hauptsächlich um das Thema SGBV drehen. Wir führen Trainings mit internationalen Kollegen, der nationalen Polizei sowie mit den Flüchtlingen durch. Hierfür erstellen wir an jede Zielgruppe angepasste Trainings, die wir dann regelmäßig mit den unterschiedlichen Teilnehmenden durchführen.

Unser Einsatz hier wird ein Jahr dauern und wir werden durch ein neues specialized Team, welches derzeit in Deutschland zusammengestellt wird, nachbesetzt. Dadurch wird garantiert, dass eine vernünftige Übergabe stattfinden kann und unsere Nachfolger nicht neu beginnen, sondern mit unserer Arbeit fortfahren können.
(Anne Dicks, April 2016)

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